{"id":122,"date":"2012-10-18T00:23:45","date_gmt":"2012-10-17T22:23:45","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.roswithaaulenkamp.de\/?p=122"},"modified":"2012-11-07T00:25:47","modified_gmt":"2012-11-06T22:25:47","slug":"engelwarts-in-den-sudan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.roswithaaulenkamp.de\/?p=122","title":{"rendered":"Engelw\u00e4rts in den Sudan"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEngelw\u00e4rts in den Sudan\u201c lautete das Motto des Konzerts von Roswitha Aulenkamp<br \/>\n(Klavier) und Theodor Hoffmeyer (Bariton) anl\u00e4sslich des vierten Sudantages der<br \/>\n<a title=\"Initiative Sudan\" href=\"http:\/\/www.initiative-sudan.de\/\" target=\"_blank\">Initiative Sudan<\/a> am 13. Oktober 2012 in der <a href=\"http:\/\/www.abteihimmerod.de\/\">Zisterzienserabtei Himmerod<\/a> bei<br \/>\nGro\u00dflittgen in der Eifel.<\/p>\n<p>Seit 1998 unterst\u00fctzt die <a title=\"Initiative Sudan\" href=\"http:\/\/www.initiative-sudan.de\/\" target=\"_blank\">Initiative Sudan<\/a> als gemeinn\u00fctziger Verein Jugendliche,<br \/>\nSchulen und Gemeinden im s\u00fcdlichen Sudan, alle zwei Jahre informieren die<br \/>\nSudantage \u00fcber die Projekte in dem zentralafrikanischen Land. Dabei erwarten die<br \/>\nG\u00e4ste jedes Mal auch vielf\u00e4ltige k\u00fcnstlerische Darbietungen auf hohem Niveau.<br \/>\nRoswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer sind l\u00e4ngst eine feste Gr\u00f6\u00dfe im<br \/>\nProgramm der Sudantage geworden \u2013 und auch treue Weggef\u00e4hrten der Initiative<br \/>\nSudan, die ihnen daf\u00fcr herzlich dankt!<\/p>\n<p>Zu einer Reise engelw\u00e4rts in den Sudan luden die Pianistin und der S\u00e4nger ihr<br \/>\nPublikum diesmal also ein. Was bedeutet das: engelw\u00e4rts? Das wir von einem der<br \/>\nreichsten L\u00e4nder der Welt aufbrechen m\u00fcssen zu einem ihrer \u00e4rmsten, wenn wir zu<br \/>\nden Engeln gelangen wollen? Das Erl\u00f6sung demnach f\u00fcr uns nur m\u00f6glich ist durch<br \/>\nHinwendung zu den Schw\u00e4chsten, die immer auch unsere Schwestern und Br\u00fcder<br \/>\nsind? Das Spiritualit\u00e4t nur wahrhaftig sein kann, wenn sie im Einklang mit gelebter<br \/>\nSolidarit\u00e4t erfahren wird?<\/p>\n<p>All das kann dieses engelw\u00e4rts uns sagen. Ist das ein Zuviel an Interpretation? Nein,<br \/>\nwie die Auswahl der klassischen Werke und der sinnhafte Zusammenhang, in dem<br \/>\nFrau Aulenkamp und Herr Hoffmeyer sie interpretierten, beweist. \u201eBiblische Lieder\u201c<br \/>\nvon\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/a> (1841-1904) und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Claude_Debussy\">Claude Debussys<\/a> (1862-1918) \u201eClair de Lune\u201c haben sehr viel mit den Menschen im Sudan zu tun. Wir m\u00fcssen nur lernen, auch mit dem Herzen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>In seinen \u201eamerikanischen Jahren\u201c, als der gro\u00dfe Komponist\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/a>\u00a0 vom Herbst 1892 bis zum Fr\u00fchjahr 1895 dem National-Konservatorium f\u00fcr Musik in New York als Direktor vorstand, schuf der geb\u00fcrtige Tscheche neben anderen Werken den Zyklus \u201eBiblische Lieder\u201c.\u00a0 Es handelt sich hierbei um 10 Ges\u00e4nge f\u00fcr eine Solostimme mit Klavierbegleitung, die s\u00e4mtlich auf Texten des alttestamentlichen Buchs der Psalmen in der tschechischen \u00dcbersetzung der Kralitzer Bibel beruhen.<\/p>\n<p>Im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dem werdenden melting pot und der aufstrebenden Weltmetropole, ausgerechnet dort fand\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Dvo\u0159\u00e1k<\/a> zu einer seiner<br \/>\neindringlichsten und ergreifendsten musikalischen Sch\u00f6pfungen. Es waren die<br \/>\nNachrichten vom Tode der gro\u00dfen Kollegen wie Konkurrenten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tschaikowski\" target=\"_blank\">Pjotr Iljitsch Tschaikowski<\/a><br \/>\nund Charles Gounods sowie seines F\u00f6rderers, des Dirigenten Hans B\u00fclow, die den<br \/>\nBlick des Tschechen nach innen wenden lie\u00dfen \u2013 auf die Menschenseele mit ihren<br \/>\nRegungen zwischen Hoffen und Bangen, Gl\u00fcck und Verzweiflung.<\/p>\n<p>In den biblischen Psalmen fand\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Dvo\u0159\u00e1k<\/a> die Facetten all dieser Empfindungen wieder,<br \/>\nRufe zu Gott in extremen Situationen des Menschseins. Und so w\u00e4hlte der Komponist<br \/>\nmit Bedacht die Psalmen aus, die er f\u00fcr seinen Liederzyklus vertonen wollte; ein<br \/>\nSpektrum der H\u00f6hen und Tiefen der menschlichen Existenz. Fast unver\u00e4ndert<br \/>\n\u00fcbernahm\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Dvo\u0159\u00e1k<\/a> die Psalmentexte; um sich ganz auf sie zu konzentrieren, ordnete er<br \/>\ndie Komposition vollkommen den Worten unter, unterstrich und betonte diese nur<br \/>\nund erreichte durch diese radikale Reduktion eine intensive sublime Reinheit, die<br \/>\nden, der zu h\u00f6ren vermag, im Herzen ber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und weil der gro\u00dfe Tscheche der gesamten Empfindungswelt des Menschen<br \/>\nAusdruck verleiht, spricht er nicht nur von sich, seinem singul\u00e4ren \u201eFreud oder Leid\u201c,<br \/>\nsondern vom Menschen schlechthin, von uns allen und unser aller Hoffnungs- und<br \/>\nErl\u00f6sungsstreben, in aller Welt und zu allen Zeiten \u2013 und ist pl\u00f6tzlich auch den<br \/>\nMenschen im Sudan ganz nah.<\/p>\n<p>Das die Besucherinnen und Besucher des Sudantages diese Empfindungen teilen<br \/>\nkonnten, das war das Verdienst von Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer,<br \/>\ndie ihr Publikum stimmlich wie instrumental bewegten und begeisterten.<\/p>\n<p>Vor eine besondere Herausforderung sah Herr Hoffmeyer sich gestellt. Urspr\u00fcnglich<br \/>\nwollte er die Liedtexte aus dem tschechischen Original ins Deutsche \u00fcbertragen,<br \/>\ndoch wurde ihm bald nur zu bewusst, wie unaufl\u00f6slich die Komposition an die<br \/>\nMusikalit\u00e4t der tschechischen Sprache gebunden ist. Eine Translation w\u00e4re eine<br \/>\nVerf\u00e4lschung, eine Verletzung der Einheit von Musik und Wort gewesen. So eignete<br \/>\nsich der Bariton die tschechischen Liedtexte an und blieb dem Werke\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Dvo\u0159\u00e1k<\/a>s treu.<br \/>\nDas Publikum konnte auf Textbl\u00e4ttern mit dem deutschen \u00dcbersetzungsansatz Herrn<br \/>\nHoffmeyers dem Vortrag folgen &#8211; und lie\u00df sich von den \u201eBiblischen Liedern\u201c mit auf<br \/>\ndie Reise engelw\u00e4rts nehmen.<\/p>\n<p>Nicht alle G\u00e4ste des Konzerts waren mit klassischer Musik vertraut, doch alle<br \/>\nZuh\u00f6rer haben sich sich ber\u00fchren lassen. Warum?\u00a0<a title=\"Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\" target=\"_blank\">Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/a> hatte in die Seele<br \/>\ndes Menschen geblickt und hat uns in den \u201eBiblischen Liedern\u201c zeitlos viel dar\u00fcber<br \/>\nzu sagen. Deshalb m\u00fcssen wir nicht alle und immer klassische Musik verstehen,<br \/>\nmanchmal reicht es aus, dass sie uns versteht.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung haben Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer den<br \/>\nBesucherinnen und Besuchern ihres Konzerts geschenkt.<\/p>\n<p>Doch noch waren die beiden K\u00fcnstler mit ihrem Publikum nicht am Ende der Reise<br \/>\nengelw\u00e4rts in den Sudan angekommen. Frau Aulenkamp gedachte eines st\u00e4ndigen<br \/>\nBegleiters eines jeden Reisenden \u2013 dem Mond. Und sie widmete einen ganz<br \/>\nbesonderen musikalischen Beitrag Pater Stephan Reimund Senge, der, beeindruckt<br \/>\nvon einem Aufenthalt im s\u00fcdlichen Sudan im Jahre 1997 die <a title=\"Initiative Sudan\" href=\"http:\/\/www.initiative-sudan.de\/\" target=\"_blank\">Initiative Sudan<\/a><br \/>\ngegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p>Seit damals reist Pater Stephan jedes Jahr in den Sudan, besucht die unterst\u00fctzten<br \/>\nProjekte und Menschen, die ihm l\u00e4ngst keine Fremden mehr sind. In seinen<br \/>\nGedichten und Prosatexten, die vom Leben in unserem Land, vom Leben im Sudan,<br \/>\nimmer aber von Menschen auf der einen Erde handeln, spricht er immer wieder auch<br \/>\nvom Mond. Der eine Mond, der uns allen scheint, in der Eifel wie in den Nubabergen,<br \/>\ndessen Licht uns aber \u00fcberall anders anmutet.<\/p>\n<p>\u201eClaire de Lune\u201c \u2013 der Schein des Mondes \u2013 hei\u00dft eines der ber\u00fchmtesten Werke<br \/>\ndes franz\u00f6sischen Komponisten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Claude_Debussy\">Claude Debussy<\/a>. Es ist der dritte und<br \/>\nwohl bekannteste Satz der \u201eSuite bergamesque\u201c, eines Klaviersolos aus dem Jahre<br \/>\n1890, das erst 1905 aufgef\u00fchrt wurde. Roswitha Aulenkamp \u00fcberraschte mit einer<br \/>\neigenwilligen, ja mitrei\u00dfenden Interpretation dieses unbestrittenen Klassikers.<\/p>\n<p>Frau Aulenkamp lie\u00df den Mond f\u00fcr ihr Publikum und f\u00fcr Pater Stephan an jenem<br \/>\nKonzerttag erstrahlen. Wie aber der Glanz des Mondes in jedem Winkel der Welt auf<br \/>\nandere Art seine Pracht entfaltet, so folgte die Pianistin Debussys Werk wie einem<br \/>\nLeitmotiv, das sie in freier, zuweilen gewagter Deutung variierte, um doch immer<br \/>\nwieder zum Hauptthema zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>\u201eClair de Lune\u201c schimmerte auch bei ge\u00f6ffnetem Fl\u00fcgel und \u201ehandgespielten\u201c<br \/>\nKlavierseiten; leuchtete, wenn die Kl\u00e4nge an Gershwin oder der Sound an Hendrix<br \/>\nerinnerte; funkelte, wenn die Pianistin trommelnd auch die h\u00f6lzernen Teile des<br \/>\nInstruments ihren Part in der Symphonie spielen lie\u00df.<\/p>\n<p>Und dennoch blieb Einheit in aller Vielfalt, wenn schlie\u00dflich \u201eClair de Lune\u201c auf<br \/>\nvertraute Weise ausklang, so wie der Mond verl\u00e4sslich seine Bahn am Firmament<br \/>\nzog, zieht und ziehen wird \u2013 \u00fcber der Eifel und \u00fcber dem Sudan.<\/p>\n<p>Roswitha Aulenkamp und Theodor Hoffmeyer sind mit ihrem Publikum engelw\u00e4rts<br \/>\nin den Sudan gereist. Angekommen sind sie noch nicht, daf\u00fcr hat der Mensch noch<br \/>\neinen weiten Weg vor sich. Aber der Weg ist ja das Ziel! Und auf diesem Weg freut<br \/>\nsich die Initiative Sudan auf die kommenden Konzerte der beiden K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Peter F\u00fchrer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEngelw\u00e4rts in den Sudan\u201c lautete das Motto des Konzerts von Roswitha Aulenkamp (Klavier) und Theodor Hoffmeyer (Bariton) anl\u00e4sslich des vierten Sudantages der Initiative Sudan am 13. Oktober 2012 in der Zisterzienserabtei Himmerod bei Gro\u00dflittgen in der Eifel. 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