Finissage „Klangbilder – Bilder, die man hören kann“

Bericht über das Abschlußkonzert von Roswitha Aulenkamp am 01.11.2018

Roswitha Aulenkamp, gebürtige Ziegenhainerin, Pianistin von Format mit Erfolgen im In- und Ausland (Frankreich, Rußland, Ukraine, Schweden, Marokko, Mexiko), Musikpädagogin an der Uni Kassel, selbst Schöpferin „moderner Musik“, Wiederentdeckerin vergessener Komponistinnen, beendete am 01.11. ihre Ausstellung „Klangbilder“ im Museum der Schwalm mit einem fulminanten Konzert. Das Künstlerische in ihr –familienbedingt– umfaßt nicht nur Musik, sondern auch Malerei. So wurde aus einer Partitur auch schon mal ein Wirbelsturm, so wuchsen Bäume, auch ein Wald, der durchaus die Form eines Flügels haben konnte, Wellen, Berge und die Sonne in vielfältiger Form.


Documenta-Urchef Bode erkannte in der „jungen Wilden“ das Naturtalent, förderte sie, führte sie mit anderen Malern zusammen und so brachen geradezu zwangsläufig die „Klangbilder“ aus ihr heraus. Also „Bilder, die man hören“, aber auch „Musik, die man sehen kann“. In einer Zeit, in der sich Menschen immer mehr spezialisieren, hat sie für sich das alte „Bildungs-und Kunstideal des 18./19. Jahrhunderts“ wieder entdeckt. Sie pflegt es und hat mit Ihrem Mann, Theodor Hoffmeyer, dem Tenor mit internationalen Opernauftritten, ihr altes Fachwerkhaus an der Muhlystraße wieder in ein Haus der „Salonkultur“ mit literarisch/musikalischen Veranstaltungen verwandelt. Kein Wunder, dasß die regionalen „Landrosinen“ sehr schnell auf sie aufmerksam wurden.

Ihr Abschlußkonzert am Donnerstag begann mit einem Ausschnitt der eigenen Komposition „Die Pyramide als Arche Noah“ mit zarten , aber auch dröhnenden Akkorden zu verfremdeten Texten der biblischen „Sintflut-Geschichte“.

In ihrem „Sonnenzyklus“ lernten wir eine Pianistin kennen (und hören), die aus dem Flügel ein Orchester machte, die es streichelte, behutsam umfing, um es dann mit einem Schlegel zu „bearbeiten“, in die Saiten griff und es wie eine Harfe klingen ließ. Der von ihr selbst bespielte Gong unterstrich zart oder volltönend, dominierend oder begleitend, fordernd oder abgrenzend ihr wilden Akkorde, ihre Dissonanzen, aber auch ihre lyrischen Passagen.
Mitunter sah man sogar vier Hände, die spielerisch – teils im Höllentempo – die Tastatur betanzten, beschlugen, auch heftig betrommelten.
Der Gag „Wörter, Wörter, nichts als Wörter – ein Stück für Sprecher und Schreibmaschine im „Duett“ mit Theodor Hoffmeyer nach einem Text von Ludwig Legge (Marburg) – entpuppte sich als virtuoses Zwischenspiel mit dem Phänomen, daß Tasten auch unterschiedliche Tonlagen haben können, besonders wenn sie mit dem Klöppel bearbeitet werden und zum “Manual“ geworden sind.
Roswitha Aulenkamps „J.S. Bachs Präludium C-Dur in eigener Bearbeitung“ zeugte nicht nur vom einfühlsamen Können einer begnadeten Pianistin; es zeigte auch die Macht einer eigenständigen Komposition, die den „Ursprung annehmen“, wie bruchlos „ergänzen, variieren und erweitern“ kann.

Die vom „stehenden Applaus“ eingeforderte Zugabe ließ alle Herzen höher schlagen. Die vom Publikum über Zuruf eingeforderten Titel von Volkliedern wurden von der Künstlerin aus dem Stehgreif zu einer „Volksmusikballade“, ja zu einer regelrechten „Ouvertüre“ geformt und präsentiert, die ihresgleichen sucht. Ein einmaliges Erlebnis für das an
gehaltvollen Veranstaltungen gewohnte Museumspublikum.

Konrad Nachtwey M. A.

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